Maskeraden auf Schlitten : studentische Faschings-Schlittenfahrten im Zeitalter der Aufklärung / Dietz-Rüdiger Moser. – München : Süddeutscher Verl., 1988. – 132 S. : zahlr. Ill. Literaturverz.

 

Begleitband zur Ausstellung „Studentische Faschingsschlittaden süddeutscher Jesuiten- und Benediktiner-Kollegiaten im Zeitalter der Aufklärung“ vom 11. November 1988 bis zum 23. März 1989 im Institut für Bayerische Literaturgeschichte der Universität München Karonlinenplatz 3 (Amerikahaus), 8000 München 2

 

In seinem Werk „Maskeraden auf Schlitten“ beschreibt der Autor Dietz-Rüdiger Moser „die närrischen Schlittenfahrten [...], die vor allem in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts [...] von den Studenten der Lateinschulen veranstaltet wurden“[1].

Dabei geht D.-R. Moser zunächst auf die Informations- bzw. Literaturlage der ausgehenden 1980er Jahre ein und berichtet von seiner Forschung, die er anstrengte, um das vorliegende Buch zu schreiben. Folgend beschreibt der Autor die Zeit, zu der die Schlittenfahrten stattfanden sowie das damalige Verhältnis der Menschen zum Karneval und der darauf folgenden Fastenzeit.

Auch auf die Quellen seiner Forschung geht D.-R. Moser ein und berichtet von Flugschriften, die er zum Großteil in der Bayerischen Staatsbibliothek München, aber auch in anderen Orten einsehen konnte. Die Flugschriften gaben Auskunft über die Veranstaltung, sollten gleichfalls aber auch belehren. Der Autor beschreibt den Aufbau der Flugschriften und nennt und erklärt im Verlauf des Buches zudem zahlreiche Beispiele, die teilweise mit Abbildungen belegt werden. Auch auf Kupferstiche und andere Bildzeugnisse, die aus der Zeit der Faschings-Schlittaden erhalten sind, geht der Autor ein und erläutert die im Buch abgebildeten Werke.

Die Verbreitung der Schlittenfahrten wird von D.-R. Moser ebenso behandelt wie die Namensgebung. Oftmals als „Schlittenfahrt der Herren Studenten“ betitelt, gibt es unter anderem auch die Begriffe „Schlittade“, „Retirade auf Schlitten“ oder – mit Bezug auf die kommende Fastenzeit – „Fastnachts-Schlittenfahrt“. War zum Veranstaltungszeitpunkt der Schlittenfahrt kein Schnee vorhanden, wurden die Fahrten gegebenenfalls in „Karn-Fahrten“ oder ähnliches umbenannt.

Aufbau und Struktur der Schlittenfahrten beschreibt der Autor anhand diverser Beispiele aus Freising, Neuburg a.D., Regensburg und anderen Orten.

Besonderes Augenmerk legt D.-R. Moser auf „Das Wesen der Schlittenfahrten“[2]. Dabei geht er zunächst auf die Darstellung ein. Figuren der Antike und der Mythologie wurden verwendet, um eine nicht-christliche, also eine heidnische Welt darzustellen. Außerdem dienten die Darstellungen dazu, den Zuschauern Untugenden vor Augen zu führen und so das „Bewußtsein [...] für richtiges und falsches Verhalten zu schärfen“[3]. Auch wurden die Schlitten mit Tieren geschmückt, um anhand derer lasterhaftes Verhalten darzustellen. Nicht gezeigt wurden die positiv zu deutenden Sinnbilder, wie zum Beispiel Klugheit, Mäßigkeit oder Demut, da diese auch nicht in den Kontext der Fastnacht gehören. Der Autor geht im weiteren Verlauf des Kapitels auf verschiedene Allegorien und verschiedene Darstellungen ein. Durch geschichtliche Bezüge nimmt er den Leser mit zu den unterschiedlichen Ursprüngen der Schlittendarstellungen.

Gesondert berichtet D.-R. Moser über die Umkehrung der Welt(anschauung). Die studentischen Schlittenfahrten dienten der Zurschaustellung einer verkehrten Welt, eben so, wie es in der Fastnacht üblich war. Die Fastnacht war der Zeitraum des Jahres, „in dem die ‚rechte Ordnung’ spielerisch außer Kraft gesetzt wurde“[4]. Auch hier werden diverse Beispiele für die Darstellung dieser verkehrten Welt angeführt.

Als Protagonisten der Fastnachtswelt erhalten die Narren ebenfalls ihr eigenes Kapitel, wobei der Narr in der Zeit der Schlittaden ein negativ besetzter Begriff für eine Person war, die ihre irdischen Interessen mit zu hoher Priorität belegte. Als Beispiele werden hier der Büchernarr oder der Modenarr angeführt. Über die Demonstration der Narren bzw. ihrer Narrheiten (z.B. „übermäßige Lust am Fleisch“[5]) wurden den Zuschauern ein ums andere Mal die sündhaften Verhaltensweisen vorgeführt.

Immer wieder geht der Autor auch auf die Programme der Schlittenfahrten ein, die diese erläutern und erklären sollten. Unter anderem finden sich in diesen Programmen auch Gesellschafts- und Zeitkritik. Dabei weist der Autor ausdrücklich darauf hin, dass bei den studentischen Schlittenfahrten, im Gegensatz zu heutigen Karnevalsumzügen, keine tagespolitischen Ereignisse thematisiert wurden. Lediglich „Zeiterscheinungen“ wurden kritisiert, niemals Personen angegriffen.

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurden auch Utopien als Themen in die Schlittenfahrten einbezogen. Durch die Schlitten gestaltet wurden Narrenländer, in denen wiederum eine verkehrte Welt gezeigt wurde. Auch dieses Thema behandelt D.-R. Moser ausführlich und belegt es mit vielen Beispielen.

Zum Schluss geht D.-R. Moser auf „das Umfeld der Schlittenfahrten“[6] ein. Er beschreibt zunächst den Ursprung der Schlittenfahrten, den er in den höfischen und bürgerlichen Repräsentationsschlittenfahrten sieht, die beispielsweise am Wiener Kaiserhof aufgeführt wurden. Aber auch die Nachfolge der Schlittenfahrten wird behandelt. So gibt es Schriften, die auf eine Fortführung der studentischen Schlittenfahrten hinweisen, aber nicht unbedingt eine konkrete Durchführung belegen. Diese „literarischen Schlittaden“[7] zeigen die Popularität der Schlittenfahrten. Ebenso wie bei den tatsächlich stattfindenden Schlittaden, wird auch in den rein schriftlichen Schlittenfahrten das Thema - analog zu den Schlitten - in Einzelbilder aufgelöst. Beispiele zeigen zum Einen die verschiedenen Ausprägungen der Schriften und zum Anderen den Eingang der Schlittenfahrten in die Literatur.

Doch auch in der Musik haben die Schlittenfahrten Einzug gehalten. So haben sowohl Leopold als auch Wolfgang Amadeus Mozart Kompositionen hervorgebracht, die jeweils eine (studentische) Schlittenfahrt musikalisch darstellen.

Abschließend ordnet D.-R. Moser die Schlittenfahrten in den historischen Kontext ein. Zeitlich mit der Epoche der Aufklärung zusammenfallend, haben die Schlittenfahrten jedoch kaum eine Gemeinsamkeit mit den aufklärerischen Denkweisen. Gestalterisch übernahmen die Schlittaden barocke Elemente und inhaltlich orientierten sie sich untern anderem an den Utopien, die in der eigenen (Aufklärungs-)Zeit populär waren. Die Ausrichter der Schlittenfahrten waren sich der Ernsthaftigkeit ihres Tuns bewusst und unternahmen viel, um sich durch ihre „vergnüglichen Narreteien für eine ernsthafte Sache“[8], nämlich die Erhaltung ihrer christlichen Weltanschauung einzusetzen.

 

[1] Moser, D.-R.: Maskeraden auf Schlitten, S. 11

[2] ebd., S. 56

[3] ebd., S. 58

[4] Moser, D.-R.: Maskeraden auf Schlitten, S. 68

[5] ebd., S. 77

[6] ebd., S. 103

[7] ebd., S. 105

[8] Moser, D.-R.: Maskeraden auf Schlitten, S. 122

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